Innovation

Im AOZ Kempten setzen wir Innovationen zugunsten unserer Patienten zeitnah um.

Elektronisches Narkoseprotokoll
Das elektronische Narkoseprotokoll führt zu einer Nutzer-unabhängigen und fortlaufenden Dokumentation im Gesamtbereich der Anästhesie, vom Zeitpunkt der Operationsvorbereitung über die Narkose bis hin zur Betreuungsphase im Aufwachraum. Es werden die Vitalparameter, wie Herzfrequenz, Blutdruck, pulsoxymetrisch gemessene Sauerstoffsättigung und zusätzlich die Beatmungsparameter aus den Narkosegeräten, inspiratorische und exspiratorische Atemgasparameter dokumentiert. Das System funktioniert weitgehend artefaktfrei und sehr zuverlässig. Ebenso können Prozessparameter, wie OP-Nutzungszeiten, Operations- und Narkosedauer, Verweildauer im Aufwachraum gegebene Medikamente und Infusionen korrekt erfasst werden. Für die Dokumentation stehen auch ICD- und OPS-Datenbanken ebenso wie Verbrauchsmateriallisten im Hintergrund zur Verfügung.

Ist die Behandlung im AOZ abgeschlossen, kann das elektronische Narkoseprotokoll entweder digital gespeichert oder bei Bedarf ausgedruckt werden.

Somit wird eine sorgfältige Dokumentation unter Entlastung des Personals, welches sich auf die Patientenbetreuung fokussieren kann, ermöglicht.

Das elektronische Narkoseprotokoll steht im AOZ an den Vorbereitungsplätzen, in den OP-Sälen und an jedem Aufwachraumplätzen zur Verfügung.

Wir nutzen das eAR-System der Firma Lowteq aus Köln. 

Totale Intravenöse Anästhesie:
Die TIVA (=totale intravenöse Anästhesie) ist eine Neuentwicklung aus der Anästhesieforschung. Traditionell werden Vollnarkosen in Deutschland als sog. „balancierte Anästhesien“ durchgeführt. D. h.: Einleitung (Schlafinduktion) erfolgt mittele eines intravenös verabreichten Hypnotikums (z.B.: Propofol®, Trapanal®) und die Aufrechterhaltung der Narkose wird mittels eines Narkosegases im Rahmen einer Inhalationsanästhesie bewerkstelligt (Sevofluran, Desfluran), teilweise noch unter Beimischung eines dritten Gases (Lachgas, N2O). Zusätzlich wird die Anästhesie (Schmerzfreiheit) mit Bolusgaben eines Opiates (Alfentanil, Sufentanil, Fentanyl) durchgeführt. Bei Bedarf kommt noch eine dritte Substanzgruppe, die Muskelrelaxantien ins Spiel.
Dieses Vorgehen ist etabliert, hat aber einige Nachteile:
Narkosegase und Muskelrelaxantien können das Krankheitsbild einer malignen Hyperthermie auslösen, welches bei verzögerter Diagnosestellung und Therapieeinleitung potentiell tödlich sein kann.
Außerdem können bei einem nicht unerheblichen Teil der Patienten postoperativ Übelkeit und Erbrechen ausgelöst werden.
Die Verabreichung von Einzeldosen (= Bolusgabe) führt zu schwankenden Blutspiegeln, d.h. letztendlich zu einer wechselnden Narkosetiefe. Daher ist nach Gabe der Medikamente eine tiefe Narkose anzunehmen, die aber im Verlauf bis zur nächsten Gabe, je nach Halbwertszeit der Medikamente, nachlässt.

EEG-Monitoring:
Warum ist eine EEG-Überwachung während der Narkose sinnvoll?
EEG ist die Abkürzung für ‘Elektroenzephalogramm’. Unter einem Elektroenzephalogramm versteht man eine Aufzeichnung der Hirnströme. Zur Messung des EEG werden spezielle Elektroden an der Kopfhaut angebracht. Diese leiten die Hirnströme an ein EEG-Messgerät weiter, welches das EEG in Form einer Kurve aufzeichnet und auswertet. Eine solche EEG-Kurve ermöglicht die Beurteilung der Hirnfunktion.
Welche Vorteile hat die Nutzung des EEG in der Anästhesie?
Die Hirnfunktion wird in charakteristischer Weise von Medikamenten beeinflusst. Dies lässt sich an Veränderungen im EEG des Patienten ablesen. Die Aufzeichnung und computergestützte Auswertung des EEG bieten somit eine Reihe von Vorteilen. Hierzu gehören:
Kontrolle der Schlaftiefe während der Narkose:
Eine kontinuierliche EEG-Überwachung während der Narkose erleichtert die Kontrolle der Schlaftiefe des Patienten. Dadurch lassen sich Narkosemittel besser dosieren. Unnötig lange Verweildauern im Aufwachraum bzw. zur Nachbeatmung auf der Intensivstation werden vermieden.
Frühzeitiges Erkennen von Gefahrensituationen:
Mögliche Gefahrensituationen für den Patienten, wie z.B. eine Unterversorgung mit Sauerstoff oder das Auftreten von Krampfpotenzialen, lassen sich durch eine EEG-Kontrolle frühzeitig erkennen.
Welche Patienten profitieren besonders von der EEG-Überwachung?
Kinder und ältere Personen profitieren besonders von der schonenden Narkoseführung anhand des EEG. Bei Kindern ist die Dosisfindung der Narkosemittel erschwert. Viele Medikamente sind für Kinder nicht oder nur eingeschränkt zugelassen. Die Dosierung orientiert sich häufig an Erfahrungen bei Erwachsenen. Die Gefahr von Fehldosierungen ist somit erhöht. Bei älteren Personen ist der Dosisbedarf oft niedrig; sie haben häufig Begleiterkrankungen und eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit.
Sinnvoll ist das EEG-Monitoring aber bei Patienten jeden Alters, denn die erforderliche Narkosemitteldosis streut von Person zu Person stark. Die computergestützte EEG-Überwachung hilft bei der Einstellung der optimalen Dosis und trägt zur Patientensicherheit bei.
Mithilfe des EEG-Monitorings lässt sich der individuelle Propofolbedarf in Abhängigkeit von Geschlecht, Alter und der Opioidauswahl ermitteln.
Leider ist diese echte Innovation nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung eingeschlossen. Daher muss bei Inanspruchnahme durch den Patienten diese Leistung als sog. Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) erstattet werden.

Qualitätsmanagement:
Das AOZ Kempten wird in das Qualitätsmanagement des MVZ Immenstadt eingebunden. Hier sind wir dabei, die entsprechenden Anpassungen und Dokumentation unserer Prozesse und Abläufe vorzunehmen. Seit 28.11.2012 ist das AOZ Kempten nach DIN EN ISO von der DEKRA im Rahmen eines externen Audits zertifiziert. Damit betreiben wir einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess und werden ein Fehlermanagement etablieren. Dr. Fischer hat die Zusatzausbildung „ärztliches Qualitätsmanagement“. In Zusammenarbeit mit der QM-Beauftragten des MVZ Immenstadt und regelmäßige Teambesprechungen kann ein Qualitätsmanagement gelebt werden.

Qualitätssicherung:
Für alle ambulanten Eingriffe, die im AOZ Kempten erbracht werden läuft eine Qualitätssicherung mithilfe des AQS-1 Systems (Fa. Medicaltex, München) mit.
Sowohl operative als auch anästhesiologische Parameter werden erfasst, ebenso findet eine Beurteilung des Gesamtprozesses durch den Patienten unter Einschluss der postoperativen zwei Wochen statt. Diese Daten werden über Fa. Medicaltex zusammengeführt, ausgewertet und als Qualitätsbericht vierteljährlich an uns zurück gekoppelt.
So sind wir über den Stand und die Entwicklung unserer erbrachten Qualität kontinuierlich informiert. Die Daten sind auch in aufbereiteter Form über www.patientenallee.de einsehbar.

Integrierte Versorgungsverträge:
Integrierte Versorgung ist ein relativ neuer Baustein im SGB V und eine Möglichkeit, innovative Versorgungsformen auch im ambulant-operativen Bereich zu etablieren.
Seit Juni 2012 haben wir einen IGV-Vertrag über die Managementgesellschaft Micado-health-care aus Hamburg, die es vielen BKK-Versicherten ermöglicht, an dieser Versorgungsform teilzunehmen. Nur Einrichtungen mit einem etablierten Qualitätsmangement und einer durchgehenden Qualitätssicherung sowie einem entsprechendem Hygienemanagement können an IGV-Verträgen teilnehmen. Momentan sind wir mit diversen Krankenkassen in Gesprächen um diese Versorgungsform für einen größeren Teil unserer Versicherten zu etablieren. Damit können interdisziplinäre und sektorenübergreifende Konzepte umsetzen und uns als interessanter Partner für Patienten, Operateure und Krankenkassen etablieren.